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Beiträge vom 9. April 2008

5 Fragen – Geocacher Mortimer B. gefragt

Mittwoch, 09.04.2008 18:49 Uhr geschrieben von  

Nachdem tpo das letztes Mal 5 Fragen beantworten durfte, ist heute Mortimer B. an der Reihe. Mortimer B. ist für seine schönen, aber auch schweren Kölner Mystery-Caches bekannt. Außerdem hat er nur 500 Founds geloggt, seitdem schreibt er nur noch Notes. Warum das alles beantwortet er in Frage 2. Angemeldet auf Geocaching.com ist Mortimer B. seit Mitte 2004.

Wann und wie bist Du zum Geocaching gekommen?
Den ersten Kontakt zum Geocachen hatten Pattevugel und ich schon während eines Besuchs im Jahr 2003 bei meinem Schwager in Berlin. Er war gerade dabei, Lösungen für eine Cache-Reihe namens „Sternenstaub“ zu ermitteln und erzählte uns von diesem Hobby. Obwohl wir schon damals ein Yellow eTrex besaßen und keine wirkliche Verwendung dafür hatten („so etwas hat man halt, wenn man technische Spielereien mag…“), konnten wir uns für das Hobby noch nicht richtig begeistern.
Ein Jahr später organisierte dann mein Schwager in Dresden eine mehrtägige Orientierungsfahrt. Da nach Abschluss der Veranstaltung noch etwas Zeit war und einige Teilnehmer aktive Geocacher waren (und noch immer sind ;-)), lud man Pattevugel und mich ein, sie noch zu einigen Caches zu begleiten. Bei der Gelegenheit stellten wir fest, dass Geocaching ja *doch* ziemlich viel Spaß macht. An diesem Tag hatten wir noch einiges von ihnen über Geocaching erfahren und wir beschlossen, uns selbst mit einem Account bei GC.com anzumelden…

Warum loggst Du nur bis zu der Grenze von 500 Caches?
Kurz gesagt: Weil ich einerseits eine Macke habe und andererseits Statistiken bei einem Hobby nicht mag.
Mich hat es irritiert, in so manchen Logeinträgen zu lesen, dass „dies der X. Cache am heutigen Tag“ sei oder man nun ausgerechnet mit diesem Cache seinen vollen Hunderter, Siebenhundertsiebenundsiebzigsten oder Zig-Tausendsten „vollgemacht“ hat. Es werden große Events veranstaltet oder Ehrencaches gelegt, nur weil sich mal wieder eine Ziffer vor den drei Nullen um „eins“ erhöht hat. Manche zelebrieren auf ihren Profilseiten exakte Statistiken darüber, wann sie wo an einem Tag wie viele Caches auch immer gefunden haben, welches der Monat mit der höchsten Fundanzahl war und wo sie schon überall Caches gefunden haben. Es soll sogar schon Fälle gegeben haben, in denen jemand in Depressionen verfallen ist, nur weil er in der – natürlich landesweit und/oder global geführten – Fund-Statistik um einen Platz zurückgefallen ist… 😉
Es bleibt natürlich jedem selber überlassen, wie man ein Hobby betreibt und ich will niemandem die Freude nehmen, möglichst exakte Statistiken über seine „Cacheerfolge“ zu führen. Ich kann mich jedoch nicht vollständig des Eindrucks erwehren, dass so manch einer das *Hobby* Geocaching als *Wettbewerb* versteht. Nach meiner Meinung *kann* dies zu einer sukzessiven Verarmung der Cachelandschaft führen. Zum Beispiel dann, wenn überwiegend die so genannten „Drive-In-Caches“ ausgelegt werden, weil anspruchsvolle und aufwändige Multis in der gleichen Region ein Schattendasein fristen.
Ich beschloss deshalb, mich selbst mit dem 500. Cache aus diesem „Wettbewerb“ zu nehmen. Jeder geloggte Cache wurde (soweit er mir gut gefiel) zur neuen „Nummer 500“, ein anderer Cache, der mir persönlich weniger gefiel, wurde per „Write Note“ umgewandelt. Dieses Spiel machte ich ziemlich genau ein Jahr lang, bis das Team Keitaro64 mich mit einem eigens dafür gelegten Mystery-Cache („Fuer mich? Noe!“ – GCZX8W) „herausforderte“. Ich fand diese Idee so klasse, dass ich diesen Cache unbedingt als ultimative und letzte Nummer 500 loggen wollte.
Seitdem schreibe ich grundsätzlich nur Notes, um mich bei den Ownern für ihre Mühe zu bedanken.

Hast Du einen Cache, den Du jedem empfehlen kannst?
Tatsächlich gibt es nicht „einen“ Cache, den ich jedem empfehlen kann. Ich habe inzwischen so viele schöne Caches gesehen, dass ich einfach keinen einzelnen hervorheben kann (oder es möchte). Empfehlenswerte Caches sind genauso unterschiedlich und damit unvergleichbar wie die Kreativität und die Ideen der Owner. Eine halbwegs passende Antwort kann ich auch nur dann geben, wenn ich die Interessen des Fragestellers kenne. Wenn ich jemandem, der keine Rätsel lösen möchte, einen Mystery empfehle, habe ich das Thema irgendwie verfehlt…

Was macht einen guten Cache aus?
Ooooh nein! Da mache ich nicht mit! Bin ich denn verrückt? Diese Frage beantworte ich nicht ohne Rechtsbeistand und Polizeischutz!
Als ich mal richtig Langeweile hatte (also so wirklich und ernsthaft), dann habe ich auch mal in den einschlägigen Foren (es gibt doch mehr als eines, oder?) herumgestöbert. Da schreiben sich so viele Cacher zu genau dieser Frage die Finger so lange wund, dass ich mich ernsthaft frage, wann sie das letzte Mal eigentlich eine Dose in freier Wildbahn gesichtet haben. Auf Minimum 17 Seiten wird zu Tode diskutiert, was ein „guter“ Cache ist. Sollte man die Lektüre tatsächlich bis zum letzten Kommentar durchgehalten haben (Respekt!), hat man aber eher den Eindruck, dass es gar keine guten Caches geben kann. Das ganze liest sich dann stellenweise wie ein göttlicher Kreuzzug gegen das teuflische Übel des Geocachings in Form von

  • Seriencaches („Wenn man eine Serie angefangen hat, muss man sie auch beenden!“)
  • Microdosen („Buhuu, da passen meine teuer erworbenen Coins, die ich sowieso nie losschicken würde, gar nicht rein!“)
  • besonders hinterlistigen Ammoboxen („Die lassen sich ja ohne Spezialwerkzeug kaum öffnen!“)
  • Raetselcaches („Der nächste Cache in meiner Umgebung ist ein Mystery, den ich nicht lösen kann – Hilfe, ich kann den nicht ignorieren!“)
  • viel zu langen Multis („Für so etwas fehlt mir die Zeit, ich muss doch im Forum posten“)
  • viel zu kurzen Multis („Wenn ich schon 180 km für einen Cache anfahre, dann will auch was davon haben – Mindestens 18 Stationen!“)
  • viel zu gefährlichen LostPlaces („Wieso verlangt der Owner von mir, *da* oben zu suchen?“)
  • viel zu wenigen LostPlaces („Freizeit für die Harten!“)
  • viel zu dunklen Nachtcaches („Hat der Owner nie darüber nachgedacht, dass es auch Cacher ohne Lampen gibt?“)
  • viel zu kurzen Eisenbahnstrecken (oder so ähnlich)
  • Drive-In-Caches („Die gibt es gar nicht! Bislang musste ich noch immer aussteigen :-(„)

Diese Litanei könnte ich fast endlos fortsetzen. Besonders clevere Forumsposter legen sich wohl inzwischen Signaturen von abzulehnenden Cachetypen, Dosengrößen oder Cacheregionen zu, so dass deren „Unterschrift“ deutlich mehr Raum als die „Bill of Rights“ einnimmt.
Und nun soll ich hier vielleicht zugeben, dass mir Serien-Nachtcaches (natürlich mit vorgeschaltetem, schier unmöglich zu lösendem Rätsel) mit 12 Mikrostationen und einer großen Ammobox am Final, ausgelegt auf einem LostPlace in der Nähe von Eisenbahnstrecken, besonders gut gefallen? Um mich der Gefahr aussetzen, von mindestens 137 durchgeknallten „Ich-hab’s-doch-immer-schon-gewusst“-Cachern erschlagen zu werden? Nein, danke! Ohne mich. Ich sage es so, wie es ist – oder zumindest sein muss: *Nichts* macht einen guten Cache aus. In Wirklichkeit cache ich nicht mal…
Vielleicht nur so viel: De gustibus non est disputandum 😉

Wie siehst Du die Zukunft vom Geocaching?
Vor – ich schätze mal – zweieinhalb Jahren, gab es auf der ersten Seite der neuesten Caches in Deutschland (immerhin werden dort 20 Caches gelistet) circa 8 Events (grob und über den dicken Daumen geschätzt). Danach folgten seitenweise diese drolligen Multis, Traditionals oder Mysteries – also die, bei denen man Tupperdosen sucht. Mit Ausnahmen, denn es waren da wohl auch Webcamcaches dabei – aber die haben mich eigentlich nie so recht interessiert.
Seit dieser Zeit sind eine Menge neuer Cacher zu dem Hobby hinzugekommen und die Anzahl der suchbaren Dosen ist rapide in die Höhe gegangen. Das hat den Vorteil, dass man heute in Deutschland eine so hohe Cachedichte hat, wie sie wohl in kaum einer anderen Region zu finden ist.
Wenn man sich heute die neuesten Caches listen lässt, so findet man auf den ersten 5 Seiten Ankündigungen für Events im gesamten Bundesgebiet – also immerhin 100 Möglichkeiten, demnächst irgendwo ein Cacherbierchen trinken zu gehen.
Ich schließe daraus, dass ich spätestens 2012 an jedem Tag im Jahr – vielleicht mit Ausnahme des St.-Nimmerleins-Tages – viermal auch im hintersten Winkel der sächsischen Schweiz ein Event zu Fuß erreichen kann. Bis dahin sollten in meiner Wohnstrasse – natürlich nur, wenn die magischen 161 m gekippt wurden – 5 Caches liegen, die von etwa 5.000 Proficachern geloggt wurden. Zumindest habe ich dann genügend Gesprächsstoff, mich mit den anderen Mega-Eventteilnehmern sehr lange darüber zu unterhalten, so dass ich den Tag nicht mehr mit Arbeit zu überbrücken brauche.
Das sind die harten Fakten der Zahlen, die ich einfach einmal hochgerechnet habe. 😉
Ohne die Zuhilfenahme einer Hochrechnung nehme ich an, dass das Geocaching, so wie es sich zur Zeit darstellt, wenig Veränderungen erfahren wird. Sicher wird es auf Grund der bisherigen Cachedichte immer schwieriger werden, besondere oder „neue“ Locations mit Caches vorzustellen. Ich nehme an, dass auch in Zukunft mit einer überwiegenden Anzahl von Traditionals zu rechnen ist, dass aber auch immer wieder besondere Multicaches mit überraschenden Ideen hinzukommen werden. Gespannt bin ich darauf, wie sich wohl der neue Cachetyp „Wherigo“ entwickeln wird. Bislang wurden hier die Möglichkeiten wohl nur ansatzweise genutzt und es bleibt zu wünschen, dass sich diese relativ neue Idee positiv – also ohne kommerziellen Hintergrund – entwickelt. Schau’n mer mal…

Vielen Dank für das ausführliche Beantworten meiner Fragen, es war mir eine Freude!

Thema: Interview | 5 Kommentare