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5 Fragen – Geocacher Blinky Bill gefragt

Mittwoch, 29.10.2008 08:19 Uhr geschrieben von  

Der Name Blinky Bill ist sicherlich kein ganz unbekannter in der deutschen Geocaching Szene und ich freue mich das sie zu diesem Kurzinterview bereit waren. Die Blinky Bills haben in den letzten 7 Jahren mehr als 6.000 Founds verbucht und sind damit unter den TOP 10 Cachern in Deutschland zu finden. Auch wenn Near Düsseldorf schon fast nicht mehr zu unserem eigentlichen Blogger/Caching-Gebiet dazu gehört wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

Wann und wie seid Ihr zum Geocaching gekommen?
Anfang 2001 hatten wir uns ein Garmin 12CX zugelegt, um auf unseren Reisen interessante Streckenverläufe (Wanderungen, Motorradtouren, Offroadtouren etc.) dokumentieren zu können – zu diesem Zeitpunkt hatte das noch rein gar nichts mit Geocaching zu tun. In der darauf folgenden Zeit suchten wir dann hin und wieder im Internet nach GPS-relevanten Quellen und stießen so zufällig auch auf gc.com. Zunächst war dies nur eine willkommene Gelegenheit, den Umgang mit dem GPS ein wenig zu üben :-). Dabei sind wir dann auf den Geschmack gekommen und haben Geocaching als zusätzliche Freizeitbeschäftigung „adoptiert“. Da sich dieses Hobby gut mit unseren Reiseaktivitäten kombinieren ließ, sind wir seitdem auch im Urlaub (meistens) auf Cachesuche. Schade, nur das es Geocaching nicht schon eher gegeben hat, denn die wirklich interessanten Reiseziele hatten wir bereits vor 2001 besucht.

Ihr habt eine sehr hohe Anzahl (momentan über 6.000) von gefunden Caches, wie muss man sich eine Woche bei Euch vorstellen bzw. wie kommt Ihr auf so eine gigantische Zahl?
Wie bereits erwähnt, sind wir ja schon seit 2001 dabei. Damals war die Suche nach einem Cache i. d. R. noch mit viel Fahrerei verbunden; in ganz Deutschland gab es, soweit wir uns erinnern weniger als 75 Caches, da sind wir dann an den Wochenenden durchaus bis runter nach Stuttgart oder quer durch die Benelux-Länder gefahren (insbesondere die Niederlande waren Deutschland zu der Zeit, was die Cacheanzahl angeht, weit voraus). Es hat uns aber trotzdem oder gerade deshalb Spaß gemacht, da man auf den Touren immer wieder neue interessante und/oder schöne Orte bzw. Ideen (Verstecke, Aufgaben usw.) kennengelernt hat. So haben wir dann über die Jahre immer öfters Cachetouren gemacht (einen Monat ohne Cachefound gibt es bei uns bis dato noch nicht 🙂 ), die meistens unter der Woche geplant wurden; so hat sich dann im Laufe der Zeit diese „hohe“ Fundzahl einfach ergeben.
Nach wie vor verzichten wir dabei auf den ganzen elektronischen Paperless-Firlefanz und drucken uns die Beschreibungen einfach aus – so hat man immer Platz genug für Notizen, Berechnungen etc.

Habt Ihr einen Cache, damit es nicht zur schwer wird auch zwei, drei Caches, die Ihr jedem empfehlen könnt? Ihr habt soviel Erfahrung, was macht einen guten Cache aus?
Cacheempfehlungen sind so eine Sache. Jeder hat andere Vorlieben, die man zwar nicht unbedingt immer ganz verstehen muss, aber tolerieren sollte . Daher ist es recht schwierig, diesen oder jenen Cache vorzuschlagen. Über unser Profil kann man auf eine Tabelle mit Empfehlungen verzweigen, die gerade aktualisiert wurde. Zudem gibt es noch eine Bookmarkliste. Beide Listen geben natürlich nur unsere persönliche Meinung wieder und sind höchstwahrscheinlich für den ambitionierten Micro-(Serien)-schnelle-Punkte-Sammel-Cacher völlig nutzlos 😉

Wie sieht Ihr die Zukunft des Geocaching?
Mit gemischten Gefühlen, wobei der Optimismus aber noch überwiegt. Wenn wir uns an die Anfänge erinnern, war es verbreitet sein Onlinelog in Englisch zu schreiben, Microdosen wurden höchst selten versteckt, Nanos waren unbekannt und eine Abstandsregel überflüssig. Aber der guten alten Zeit nachzutrauern bringt nichts, denn wir leben im heute und die Entwicklung bei Geocaching hat sich unserer Meinung nach in den letzten Jahren sowohl positiv, wie auch leider negativ entwickelt. Es hat sich gezeigt, das es sich mit der Publicity so verhält wie mit dem römischen Gott Janus. Dadurch gab es zwar erstmal viele neue Caches, was ja durchaus ein positiver Effekt war; gleichzeitig sank aber die Qualität. Während man zu Beginn des GC-Zeitalters durchaus behaupten konnte, das die meisten Verstecker sich wirklich Mühe mit ihren Caches gegeben haben (gute Location, tolle Tausch-Items; hier und da wurde auch richtig Geld investiert: z.B. Malamutes XXL-Cache für Bücher und CD’s, der aus einer riesigen wasserdichten Expeditionskiste bestand – GC671F), muss man mittlerweile feststellen, das der schnelle Serien-Micro an Raststätten, Kirchen, Polizeiwachen, Krankenhäusern, Spielplätzen, Fußballplätzen, Blitzlichtern (Radarfallen) usw. für einige Cacher ein vermeintlicher Trend zu sein scheint. Ein Neu-Cacher, der vielleicht vor seiner Haustüre in der Mehrzahl solche Caches liegen hat, wird sich höchstwahrscheinlich an dieser Art orientieren, wenn er selber Caches versteckt und die Qualität sinkt weiter.
Allerdings sollte man diesen Punkt jetzt nicht verallgemeinern, denn es gibt auch genügend Beispiele für Neuverstecker, die sich viele Gedanken und Mühen beim Auslegen ihres ersten Caches gemacht haben.
Insgesamt betrachtet wird es aber zum einen immer schwieriger, die Caches nach seinem persönlichen Geschmack herauszufiltern und zum anderen eine sehenswerte Location zu finden, da diese in vielen Gebieten aufgrund der Masse bereits bedost sind.
Aber auch hier bleibt die Entwicklung ja zum Glück nicht stehen und Bookmarklisten, persönliche Kontakte zu anderen Cachern, die Empfehlungen geben oder Forumsbeiträge sind eine gute Hilfe.

So wird für uns Geocachen auch zukünftig kein schnelles Tradi-Punkte sammeln sein, denn in den mittlerweile über sechs Jahren sind wir nicht nur in Gegenden geführt worden, wo wir sonst bestimmt nie gelandet wären, sondern haben uns auch mit Rätseln beschäftigt, mit deren Thematik wir wohl sonst nicht in Berührung gekommen wären. So lernt man nie aus, Geist und Körper bleiben auf Trab und durch die Vielfalt ist für jeden etwas dabei. Die dabei entstandenen neuen Freundschaften und weitere nette Kontakte zu Gleichgesinnten – sei es nun über E-Mails oder zusammen auf gemeinsamer Cachetour möchten wir nicht mehr missen und werden wohl dem Hobby weiterhin treu bleiben.


Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. 🙂

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Kategorie: Interview

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7 Kommentare

  1. Danke für das Interview – ist interessant und enthält doch sehr viele Wahrheiten. Die Blinky Bills machen übrigens auch sehr schöne Caches 🙂

  2. Ein sehr gelungenes Interview. Sehr schön als „Neucacher“ die erst seit Anfang 2007 dabei sind etwas aus den Anfängen und der guten alten Zeit zu lesen. Weiter so!

  3. Danke für das Interview… meine Gebete wurden erhört…

    Gruß
    ECM

  4. Ein sehr schoenes Interview mit guten und informativen Antworten (ich hatte auch nichts anderes erwartet ;-)). Vielen Dank an Jan und den Blinkies dafuer!
    Allerdings zaehle ich nur 4 Fragen?! Kommt noch ein zweiter Teil des Interviews? 🙂

  5. @Mortimer B.
    Naja, ich hatte den Blinkies 5 Fragen gestellt, sie haben aber 2 Fragen einfach zu einer zusammengefasst.
    Danke fürs Lob 🙂

  6. Sehr interessantes Interview! Bemerkenswert finde ich bei den Blinkys den durchweg höflichen Tonfall in ihren Logs! Das war für mich auch schon immer Vorbild und erinnert auch an die „guten, alten Zeiten“, als Geocacher noch „mehr“ eine verschworene Gemeinschaft waren und sich mit mehr Respekt behandelten. 🙂

    Gruß Roland

  7. Danke für das Interview, das ist wirklich sehr interessant. Vor allem, wenn man noch nicht so lange an der Sache dran ist, kann man hier doch mal einiges erfahren. Und ich staune über die vielen Caches, die ihr schon gesammelt hat, aber vielleicht komme ich eines Tages auch noch dahin 🙂

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